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Kostenrechnung

Zuschlagskalkulation und Betriebsabrechnungsbogen

Holz und Arbeitszeit lassen sich einer Küche direkt zurechnen. Hallenmiete, Maschine und Büro nicht — sie fallen für alles gleichzeitig an. Der Betriebsabrechnungsbogen verteilt sie auf Bereiche, die Zuschlagskalkulation bringt sie von dort auf das einzelne Stück.

Redaktion Buchhaltung lernenRedaktion & Quellen
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Zuschlagskalkulation in einem Satz

Die Zuschlagskalkulation rechnet Gemeinkosten als Prozentsatz auf Einzelkosten auf — die Prozentsätze stammen aus dem Betriebsabrechnungsbogen.

Warum Gemeinkosten ein Problem sind

Für eine einzelne Küche lässt sich ablesen, wie viel Holz hineingegangen ist und wie viele Stunden daran gearbeitet wurde. Diese Beträge heißen Einzelkosten; sie stehen auf Lieferschein und Stundenzettel.

Hallenmiete, Maschinenabschreibung, Büro und Versand fallen dagegen für alles zugleich an. Kein Messgerät sagt, wie viel Miete in Küche Nummer 37 steckt. Diese Beträge heißen Gemeinkosten — und sie müssen trotzdem in den Preis, sonst deckt der Verkauf den Betrieb nicht.

Weil Zuordnen nicht durch Messen geht, geht es durch Verteilen. Genau dafür gibt es den Betriebsabrechnungsbogen.

Der Betriebsabrechnungsbogen

Der BAB ist eine Tabelle mit fester Logik: In den Zeilen stehen die Gemeinkostenarten, in den Spalten die Kostenstellen. Gelesen wird er in zwei Richtungen. Waagrecht verteilt sich eine Kostenart auf die Stellen; senkrecht summieren sich alle Kostenarten einer Stelle. Beide Summen müssen übereinstimmen — das ist zugleich die Kontrolle.

Beispielbetrieb: eine Tischlerei mit 70.000 Euro Gemeinkosten und vier Kostenstellen.

GemeinkostenartMaterialFertigungVerwaltungVertriebSumme
Hallenmiete (nach Fläche)4.20012.0001.20060018.000
Energie (nach Verbrauch)1.8009.00080040012.000
Hilfsstoffe9.0009.000
Abschreibung4.5004.500
Unternehmerlohn45.0009.00054.000
Gehälter4.5007.0003.00014.500
Werbung und Versand8.0008.000
Summe je Stelle15.00075.00018.00012.000120.000

Jede Kostenart bekommt ihren eigenen Verteilungsschlüssel: die Miete nach Quadratmetern, die Energie nach Verbrauch, Personalkosten nach Beschäftigten. Entscheidend ist die Verursachung — welche Größe wächst mit, wenn diese Kosten wachsen? Manche Beträge brauchen gar keinen Schlüssel, weil sie von vornherein zu einer Stelle gehören.

Vom Bogen zum Zuschlagssatz

Die Spaltensumme sagt, wie viel Gemeinkosten in einer Stelle angefallen sind. Ein einzelnes Stück interessiert das noch nicht — es braucht seinen Anteil daran. Deshalb wird jede Spaltensumme zu einer Bezugsgröße ins Verhältnis gesetzt, die durch dieselbe Stelle läuft.

Zuschlagssatz = Gemeinkosten der Stelle ÷ Bezugsgröße × 100

Die Bezugsgröße ist nicht frei wählbar. Sie muss aus derselben Stelle stammen und je Stück bekannt sein. Für Material ist das der Rohstoffwert, für die Fertigung der Fertigungslohn. Verwaltung und Vertrieb finden keine solche Größe und beziehen sich deshalb auf die Herstellkosten.

StelleGemeinkostenBezugsgrößeSatz
Material15.000150.000 Rohstoffe10 %
Fertigung75.00060.000 Fertigungslohn125 %
Verwaltung18.000300.000 Herstellkosten6 %
Vertrieb12.000300.000 Herstellkosten4 %

Ein Satz über hundert Prozent wirkt zunächst falsch, ist es aber nicht. Er bedeutet nur: Auf jeden Euro Fertigungslohn kommt mehr als ein Euro Gemeinkosten. In einer Werkstatt mit teuren Maschinen ist das der Normalfall.

Ein Stück kalkulieren

Stehen die vier Sätze, braucht es für jedes weitere Stück nur noch zwei Angaben: Material und Lohn. In den Bogen muss niemand mehr sehen.

SchrittRechnungBetrag
Fertigungsmaterial5,00
+ Materialgemeinkosten10 % von 5,000,50
+ Fertigungslohn2,00
+ Fertigungsgemeinkosten125 % von 2,002,50
= Herstellkosten10,00
+ Verwaltungsgemeinkosten6 % von 10,000,60
+ Vertriebsgemeinkosten4 % von 10,000,40
= Selbstkosten11,00

Entscheidend ist, von welcher Basis jeder Zuschlag rechnet, denn die Basis wechselt: Der Materialzuschlag rechnet vom Material, der Fertigungszuschlag vom Lohn, die letzten beiden von den Herstellkosten.

Der teuerste Fehler: die falsche Bezugsgröße

Wer die Fertigungsgemeinkosten auf das Material bezieht statt auf den Lohn, bekommt eine Zahl — nur eben die falsche. Das Tückische daran ist, dass das Ergebnis plausibel aussieht und in der Summe sogar aufgeht.

Sichtbar wird der Fehler erst beim Vergleich zweier Produkte. Fertigt ein Betrieb eine Sorte mit teurem Material und eine mit billigem, aber gleicher Arbeitszeit, dann trägt ausgerechnet die teure Sorte die meisten Werkstattkosten — obwohl sie dort keine Minute länger stand.

Die Kontrollfrage lautet deshalb immer: Läuft diese Bezugsgröße wirklich durch diese Stelle, und wächst sie mit deren Belastung?

Die Probe

Am Ende gehört eine Kontrolle dazu, die im Betrieb Fehler aufdeckt: Selbstkosten je Stück mal Stückzahl muss dasselbe ergeben wie Einzelkosten plus Gemeinkosten aus der Jahresrechnung. Weicht das ab, stimmt entweder ein Zuschlagssatz nicht, oder eine Kostenstelle wurde doppelt oder gar nicht verteilt.

Typische Fehler

  • Die Bezugsgröße vertauschen — Fertigungsgemeinkosten auf das Material statt auf den Lohn.
  • Verwaltung und Vertrieb auf die Einzelkosten rechnen statt auf die Herstellkosten.
  • Einen Verteilungsschlüssel wählen, der bequem messbar ist, aber die Verursachung nicht abbildet.
  • Die Probe weglassen und einen Rechenfehler bis in den Preis tragen.

Häufige Fragen

Was ist ein Betriebsabrechnungsbogen?

Eine Tabelle, in deren Zeilen die Gemeinkostenarten stehen und in deren Spalten die Kostenstellen. Jede Zelle sagt, wie viel einer Kostenart in einer Stelle angefallen ist. Die Zeilensumme muss dem Betrag aus der Kostenartenrechnung entsprechen, die Spaltensumme nennt die Gemeinkosten dieser Stelle.

Wie berechnet man einen Zuschlagssatz?

Gemeinkosten der Kostenstelle geteilt durch eine Bezugsgröße derselben Stelle, mal hundert. Für die Materialstelle ist das Fertigungsmaterial die Bezugsgröße, für die Fertigungsstelle der Fertigungslohn.

Warum liegt der Fertigungszuschlag oft über hundert Prozent?

Weil in der Werkstatt Halle, Maschinen und Meister zusammenkommen, die Fertigungslöhne als Bezugsgröße dagegen vergleichsweise klein sind. Ein Satz von 150 Prozent bedeutet: Auf jeden Euro Lohn kommt 1,50 Euro Gemeinkosten.

Worauf beziehen sich Verwaltung und Vertrieb?

Auf die Herstellkosten. Für diese beiden Stellen gibt es keine passende Einzelkostenart — die Buchhaltung arbeitet nicht mehr, weil ein Produkt teureres Material enthält.

Was ist der Unterschied zwischen Herstellkosten und Selbstkosten?

Herstellkosten umfassen Fertigungsmaterial, Materialgemeinkosten, Fertigungslöhne und Fertigungsgemeinkosten — also alles, bis das Produkt fertig ist. Kommen Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten dazu, ergeben sich die Selbstkosten.

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