Vorräte & Bewertung
FIFO einfach erklärt
Am Jahresende liegen 400 Stück im Lager, gekauft zu drei verschiedenen Preisen. Welcher Wert steht in der Bilanz? FIFO gibt darauf eine klare Antwort: Was zuerst kam, geht zuerst hinaus. Diese Seite zeigt die Methode an einem durchgerechneten Fall.
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FIFO steht für First In, First Out: Die zuerst eingekauften Bestände gelten rechnerisch als zuerst verbraucht — im Lager bleiben also die neueren Zugänge übrig.
Warum eine Bewertungsmethode nötig ist
Die Inventur zählt Mengen. Sie sagt, dass 400 Stück im Lager liegen — nicht, was sie wert sind. Sobald derselbe Artikel im Lauf des Jahres zu verschiedenen Preisen eingekauft wurde, ist die Antwort nicht mehr eindeutig.
Genau dafür gibt es Bewertungsverfahren. FIFO ist das gebräuchlichste und zugleich das anschaulichste: Es unterstellt, dass die ältesten Bestände zuerst das Lager verlassen — so, wie man es bei verderblicher Ware ohnehin täte.
Schritt 1: Lagerschichten bilden
Jeder Zugang mit eigenem Stückwert bildet eine Schicht. Notiere Datum, Menge und Wert getrennt — dieser eine Schritt entscheidet über den ganzen Rest.
Ausgangslage: zwei Zugänge im Jahr.
- Alte Schicht: 100 Stück zu 10 Euro
- Neue Schicht: 80 Stück zu 12 Euro
Schritt 2: Abgänge von vorne abbauen
Der Abgang wird zuerst vollständig von der ältesten Schicht abgezogen. Reicht sie nicht, geht es bei der nächstjüngeren weiter.
Abgang von 120 Stück:
- 100 Stück aus der alten Schicht zu 10 Euro — damit ist sie leer
- 20 Stück aus der neuen Schicht zu 12 Euro
- Im Lager bleiben: 60 Stück zu 12 Euro
Schritt 3: Endbestand bewerten
Jede verbleibende Restmenge wird mit ihrem eigenen Schichtwert multipliziert. Mehrere Restschichten werden einzeln gerechnet und danach addiert.
Bilanzwert = Σ (Restmenge je Schicht × Stückwert dieser Schicht)Eine Restschicht: 60 Stück zu 12 Euro = 720 Euro
Zwei Restschichten: 30 Stück zu 11 Euro und 50 Stück zu 12 Euro
- 30 × 11 = 330 Euro
- 50 × 12 = 600 Euro
- Bilanzwert: 930 Euro
Ein vollständiger Fall über zwei Jahre
Der Bestand aus dem Vorjahr ist die älteste Schicht und geht deshalb zuerst ab. Das wird oft übersehen.
Ausgangslage: Aus dem Vorjahr bleiben 300 Stück zu 8 Euro. Im neuen Jahr kommen 1.200 Stück zu 9 Euro hinzu, 1.100 Stück gehen ab.
- Abgang: zuerst 300 alte Stück, danach 800 neue Stück
- Rest: 1.200 − 800 = 400 Stück der neuen Schicht
- Bilanzwert: 400 × 9 = 3.600 Euro
Der Verkaufspreis gehört nicht dazu
Vorräte werden mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet. Was der Artikel später einbringt, ist eine andere Rechnung. Ein Produkt mit 9 Euro Herstellungskosten steht mit 9 Euro im Vorrat, auch wenn es um 20 Euro verkauft wird — der Gewinn entsteht erst beim Verkauf, nicht schon im Lager.
Der Stichtag zählt
Bewertet wird der Bestand am Bilanzstichtag. Zugänge und Abgänge danach gehören ins nächste Jahr, auch wenn die Rechnung schon vorliegt. Bei Fällen mit Datumsangaben lohnt es sich, zuerst eine Linie beim Stichtag zu ziehen und erst dann zu rechnen.
Typische Fehler
- Abgänge von der neuesten statt von der ältesten Schicht abziehen — das wäre LIFO, nicht FIFO.
- Den Anfangsbestand aus dem Vorjahr vergessen.
- Alle Restmengen mit demselben Durchschnittspreis bewerten.
- Den Verkaufspreis als Stückwert verwenden.
- Bewegungen nach dem Stichtag mitrechnen.
Häufige Fragen
Was bedeutet FIFO?
First In, First Out. Die zuerst eingegangenen Bestände gelten rechnerisch als zuerst verbraucht oder verkauft. Der verbleibende Endbestand besteht deshalb aus den jüngsten Zugängen.
Wie bewertet man den Endbestand nach FIFO?
Jede verbleibende Restmenge wird mit ihrem eigenen Schichtwert multipliziert; bei mehreren Restschichten werden die Ergebnisse addiert. 30 Stück zu 11 Euro und 50 Stück zu 12 Euro ergeben 330 plus 600, also 930 Euro.
Zählt der Verkaufspreis für die Bewertung?
Nein. Vorräte werden mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet. Ein Produkt mit 9 Euro Herstellungskosten bleibt mit 9 Euro im Vorrat, auch wenn es später um 20 Euro verkauft wird.
Was passiert mit dem Bestand aus dem Vorjahr?
Er ist die älteste Schicht und geht bei FIFO zuerst ab. Erst wenn er aufgebraucht ist, wird auf die Zugänge des laufenden Jahres zugegriffen.
FIFO sicher rechnen
Übe Schichten, Abgänge und Endbestandsbewertung an mehrjährigen Fällen.